

ARD (ausserhalb D mit VPN) (1 Staffel, 4 Episoden à 45 Min.)
Ein Mörder, Nazis und ein paar Unentwegte, die in den finsteren Stunden des Dritten Reichs einen letzten Funken Menschlichkeit bewahren wollen – das erinnert an «Babylon Berlin».
Nicht ganz auf der Höhe von «Babylon Berlin»
Atmosphärisch ähnelt «Sternstunde der Mörder» den jüngsten Staffeln des ARD-Erfolgs. Aber die Serie, die auf dem gleichnamigen Roman von Pavel Kohout basiert, erreicht nicht ganz die Höhen von «Babylon Berlin». Es fehlt vor allem an Zeit und am Willen, den Figuren echte Tiefe und Komplexität zu verleihen.

Manchmal verfällt die Serie auch in Stereotype. Wie bei Standartenführer Meckerle (Devid Striesow), der nach jedem zweiten Satz sofort wütend zu brüllen beginnt, wie Nazis das halt so tun. Wobei man ihm zugutehalten muss, dass es um seine Zukunft und die des Reiches nicht zum Besten steht.
Prag ist im Frühling 1945 zwar noch von der Wehrmacht besetzt. Aber es ist nur eine Frage von Wochen, bis die Rote Armee die Stadt erobern wird.
Der tschechische Polizist und sein deutscher Aufpasser
Das weiss auch der tschechische Ermittler Jan Morava (Jonas Nay). Vorerst hält er sich noch an die Regeln der Besatzer, etwa dass im Dienst Deutsch gesprochen werden muss, auch unter Tschechen.
Als eine deutsche Offizierswitwe umgebracht wird, übernimmt er unter der Leitung von Kommissar Beran (Karel Dobrý) den Fall. Allerdings wird den beiden ein Aufpasser zur Seite gestellt: der Gestapo-Beamte Erwin Buback (Nicholas Ofczarek).

Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Weitere Frauen fallen dem Serienmörder zum Opfer, der eine eindeutige Visitenkarte hinterlässt. Er entnimmt seinen Opfern das Herz, was offenbar mit religiösem Wahn zusammenhängt.
Die Frage nach Schuld und Sühne
Die Jagd nach dem Serienmörder tritt aber in den Hintergrund, je näher die Russen nach Prag vorrücken. Im Hauptquartier der tschechischen Polizei wird der Widerstand gegen die Deutschen organisiert. Am 5. Mai beginnt der Aufstand der Widerstandskämpfer. Im folgenden Chaos versuchen sich der Serienmörder und auch deutsche Besatzer in Sicherheit zu bringen.
Unter ihnen auch der Gestapo-Mann Buback, der vor allem seine Geliebte Marleen Baumann (Jeanette Hain) retten will. Wie die beiden zerstörten Seelen zueinander finden und auf den drohenden Untergang blicken, gehört zu den stärksten Momenten der Serie.

Im Gegensatz zu den schlimmsten Tätern wie Meckerle, die nur ihre Haut retten wollen, beschäftigen sie sich mit der Frage nach Schuld und Sühne. Ihnen ist klar, dass am Ende nur ein Urteil gefällt werden kann. Doch das erschreckt sie nicht. Denn, so sagt Marleen: «Wir sind ja schon tot».
Besetzung: Jonas Nay | Nicholas Ofczarek | Jeanette Hain | Devid Striesow | Karel Dobrý | Gerhard Liebmann | Diana Dulinková | Lucia Maria Lukackova
Genre: Krimi | Historie | Drama
D, 2026











Schreibe einen Kommentar