

Sky Show/ZDF (nur dt.) (Mini-Serie, 5 Episoden à 50 Min.)
Jan Stenbeck? Nie gehört. Dabei ist dieser schwedische Geschäftsmann mit der schweizerischen Mediengeschichte verknüpft. 1995 gründete er in Stockholm die erste Pendlerzeitung «Metro». Fünf Jahre später erschien sie als «Metropol» in der Schweiz.
In Schweden machte sich Jan Stenbeck einen Namen, nicht nur als Unternehmer, sondern auch durch den erbitterten Streit um das Familienimperium mit seinen Schwestern. «Stenbeck» schildert diesen Erbstreit und seinen Aufstieg zum Medienpionier und Erzfeind der staatlichen Monopolbetriebe.
Die Schwester fühlt sich übergangen
Stenbeck (Jakob Oftebro) lebt 1975 in New York und arbeitet bei Morgan Stanley als Investmentbanker. Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders reist er zur Beerdigung nach Stockholm. Sein Vater Hugo (Lars Lind) bietet ihm die Geschäftsführung des Familienunternehmens Kinnevik an.

Das verärgert Margaretha (Malin Crépin), eine seiner älteren Schwestern. Sie ist ebenso qualifiziert, doch der Vater schätzt Frauen in Führungspositionen nicht. Aber Jan zieht es ohnehin zurück in die USA.
Ein Jahr später stirbt der Vater. Jan erbt die Firmenanteile seines Vaters und seines Bruders und hält nun die Hälfte des Unternehmens. Er steigt ein und will die Firma modernisieren, weg von Stahl und Papier, hin zur Telekommunikation.
Der hässliche Erbstreit der Geschwister
Seine Schwestern sind entsetzt und fechten das Testament an. Ein langer und hässlicher Erbstreit folgt, der immer wieder Schlagzeilen macht.

Jan obsiegt am Ende, wenn auch mit fragwürdigen Methoden. Er gründet das erste private Mobilfunknetz in Schweden und wenig später den ersten privaten, werbefinanzierten TV-Sender. Beide Male überwindet er politischen Widerstand, der das staatliche Monopol schützen will.
Visionär und jähzorniger Egoist
«Stenbeck» zeigt ihn als Visionär, der technologischen Fortschritt bringt, aber auch als jähzornigen Egoisten, dem nur sein Erfolg wichtig ist. Untergebene und Angestellte sind ihm egal. Gefühle zeigt er nur für seine Frau und Kinder.

Die Serie bleibt in der Charakterzeichnung oberflächlich. Jan Stenbeck bleibt dem Zuschauer fern, obwohl er eine schillernde Figur war. Auch die anderen Charaktere wie seine Schwestern oder seine Wegbegleiter bleiben blass.
Jan Stenbeck hat die Telekommunikation und die Medienlandschaft in Schweden umgepflügt und darüber hinaus. Das rechtfertigt sicher, sein ziemlich kurzes Leben – er starb 2002 im Alter von 59 Jahren an einem Herzinfarkt – als Serienstoff zu wählen.
Wie bedeutend ist seine Hinterlassenschaft?
Aber in der Serie hinterlassen weder der Mensch Jan Stenbeck noch seine Leistungen einen bleibenden Eindruck. Der Reiz, in die Anfänge dieser Umwälzungen zu blicken, verpufft schnell.

Fast so schnell wie «Metropol» aus der Schweizer Medienlandschaft verschwand. Nach nur zwei Jahren war Schluss. Ein anderer Titel hielt sich länger. «20 Minuten» existiert heute noch, wenn auch nicht mehr als Printprodukt.
Wie bei den unzähligen privaten TV-Sendern fragt man sich allerdings, ob die Erfindung der Pendlerzeitungen die Medienlandschaft wirklich bereicherte. Von daher erscheint auch Stenbecks Hinterlassenschaft in einem anderen Licht.
Besetzung: Jakob Oftebro | Zoe Boyle | Irene Lindh | Malin Crépin | Iggy Malmborg | Nils Wetterholm | Julia Mark-Nord | Einar Laurell
Genre: Biografie | Drama
SWE, 2025











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