The Good Fight (Staffel 6) – Die ultimative Serie der Trump-Ära sagt Goodbye

Serienposter mit Schriftzug. Zwei Frauen. Eine Frau im roten Mantel und Sonnenbrille hält eine Sonnenblume in der Hand.

Läuft bei: Paramount+ / Disney+ (Staffel 1-5, 50 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffel 1-3)

Diese Besprechung enthält Spoiler

So wie sie begann, endet die Serie: mit Donald Trump. In der ersten Episode von «The Good Fight» verfolgte Diane Lockhart (Christine Baranski) ungläubig, wie der Popanz mit orangen Haaren als US-Präsident vereidigt wird.

Die Serie, die den Niedergang der USA begleitete

Fünf Jahre später blicken Diane und Liz Reddick (Audra McDonald) entsetzt auf einen Fernsehschirm. Trump steht am Rednerpult. Er verkündet seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 und feiert das mit lächerlichen Tanzbewegungen. Im Abspann fliegt der Fernsehbildschirm, der das Ereignis zeigt, in die Luft.

Zwei Frauen mit entsetzem Blick und offenem Mund.
«The End of Everything» heisst die letzte Episode, in der Trump zum Entsetzen von Diane (Christine Baranski) und Liz (Audra McDonald) verkündet, dass er wieder Präsident werden will. © Paramount+

Kein Happy End. Optimismus ist in den USA fehl am Platz. Das Land hat einen Niedergang erlebt, den das Showrunner-Paar Michelle und Robert King kontinuierlich in ihre Serie eingewoben hat.

Chaos und Gewalt auf den Strassen

Polizeigewalt gegen Schwarze, Putins Einflussnahme auf die Wahlen, Fake News, das Versagen in der Covid-Krise, der Sturm aufs Kapitol – all diese Themen und viele mehr tauchten in der Serie auf. «The Good Fight» ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, die festhielt, wie die USA unter Trump zerfielen.

Die letzten beiden Staffel spielten zwar in der Ära Biden. Das war für die Serie aber kein Anlass, die Tonalität zu wechseln. Im Gegenteil. In der sechsten und finalen Staffel herrscht Gewalt auf der Strasse. «White Supremacy»-Aktivist:innen marschieren auf und skandieren «You will not replace us».

Eine Frau kniet am Boden. Im Hintergrund aufgebrachte Protestierende und Polizisten.
Der neue Alltag: Auf dem Weg ins Büro muss sich Diane durch den Protestzug von Rassisten durchkämpfen. © Paramount+
Selbstjustiz, weil das System versagt

Die Protagonist:innen der Serie nehmen das seltsam gelassen zur Kenntnis. Es scheint, als gehöre dieses Bild für sie schon zum Alltag in den USA. Erst als die Anwaltskanzlei durch Scharfschützen beschossen wird, wird ihnen langsam mulmig.

Die Gewalt der Rassisten sorgt auch auf der Gegenseite für eine härtere Gangart. Jay (Nyambi Nyambi), der Ermittler der Anwaltskanzlei, kommt in Kontakt mit einer Gruppierung von Schwarzen, die sich «The Collective» nennt.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf zwei Stühlen und unterhalten sich.
Jay (Nyambi Nyambi) will für Renetta (Phylicia Rashad) arbeiten, die «The Collective» anführt. © Paramount+

Die Untergrundtruppe verfolgt Rassisten, sperrt sie ein und deportiert sie in die Antarktis – ohne rechtskräftige Urteile. Als Legitimation für diese Selbstjustiz führen sie das Versagen des Rechtsstaates an. Jay wird sich ihnen anschliessen. Er wolle etwas verändern, sagt er. Die Arbeit der Anwaltskanzlei bewirke nichts.

Ein Fünkchen Hoffnung

Auch Diane zweifelt an ihrem Job. Sie fühle sich wie in einem Hamsterrad, sagt sie. Alles, was in den letzten 50 Jahren an Fortschritt erreicht wurde, müsse man wieder neu erkämpfen. Als Beispiel führt sie den Entscheid des Obersten Gerichts zur Abtreibungsfrage an.

So ganz defätistisch mag die Serie dann doch nicht enden. Ein bisschen Hoffnung lässt sie aufkeimen. Marissa (Sarah Steele) heiratet. Carmen Moyo (Charmaine Bingwa) will Jay nicht in den Untergrund folgen, sondern legal weiterkämpfen.

Zwei junge Frauen sitzen auf einer Treppe in einem Büro.
Carmen (Charmaine Bingwa) und Marissa (Sarah Steele) werden getrennte Wege gehen. © Paramount+
Eine Anwaltsserie als Zeitdokument

Auch Diane schmeisst vielleicht nicht alles hin. Es tut sich ein Türchen auf für einen neuen Job in Washington. Sie könnte die Führung einer reinen Frauenanwaltsfirma übernehmen. Ob sie die Kraft findet, weiterzumachen, bleibt allerdings offen.

Aber eben: All das ist überschattet von Trumps Ankündigung, dass er wieder Präsident werden will. Als Mahnung steht im Abspann «This all happened». Was unterstreicht, dass die Serie sich selber bei aller Fiktion auch als Zeitdokument versteht. Das kann man gelten lassen.

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 6?
1 Stimme

Besetzung: Christine Baranski | Audra McDonald | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Michael Boatman | Charmaine Bingwa | Andre Braugher | John Slattery | Alan Cumming | Gary Cole
Serie entwickelt von: Robert King | Michelle King | Phil Alden Robinson
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

The Gilded Age (Staffel 1) – Die Neureichen gegen den alten Adel von New York

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 9 Episoden à 45 Min.)

Marian Brook (Louisa Jacobson – die jüngste Tochter von Meryl Streep, die wie ihre beiden Schwestern Mamie und Grace Gummer denselben Beruf wie ihre Mutter ergriffen hat) muss nach dem Tod ihres Vaters feststellen, dass sie völlig mittellos da steht.

Zum Glück gibt’s da ihre reiche Tante Agnes (Christine Baranski – «The Good Fight»), die mit ihrer Schwester Ada (Cynthia Nixon – «Sex and the City») an edelster Adresse in New York lebt.

Die Neureichen fallen ein

Marian reist nach New York, ist dabei aber auf die Hilfe von Peggy Scott (Denée Benton) angewiesen. Da Peggy eine «coloured person» ist, muss Marian auf die Reise in der ersten Klasse verzichten.

Gleich gegenüber von Tante Agnes‘ Haus haben die neureichen Russels zum grossen Missfallen der standesbewussten Agnes einen pompösen Neubau errichtet.

Frischer Wind in alten Gemäuern

Bertha Russell (Carrie Coon) ist wild entschlossen, in die High Society der New Yorker 1880er-Jahre aufzusteigen. Doch der alte Adel der van Rijns und Astors und wie sie alle heissen, zeigen ihr die kalte Schulter. Die Russels bahnen sich allerdings mit ihrem immensen Reichtum langsam einen Weg nach oben.

Marian hat mit dem Dünkel ihrer Tanten nichts am Hut. Sie bewegt sich frisch und munter in der New Yorker Upperclass und scheut auch den Kontakt zu den Ausgestossenen nicht. Dass dabei auch eine Liebschaft eine Rolle spielt, erstaunt kaum.

Ich finde

Was muss man mehr sagen, als dass «The Gilded Age» aus der Feder von Julian Fellows stammt, der «Downton Abbey» erfunden hat.

Schon die erste Einstellung zeichnet dasselbe Bild und Lebensgefühl, wie wir es von den Granthams kennen, nur die Kulisse hat geändert. Die emsigen Bediensteten und die flanierende Oberschicht bevölkern jetzt die Strassen im Nobelviertel von New York statt den Landsitz in Yorkshire.

Und wie schon bei den Granthams sind die Zeiten im Umbruch. Emporkömmlinge machen den Alteingesessenen die Vorherrschaft streitig (hier ein kurzer Vergleich der historischen und fiktionalen Figuren).

Eine unbekannte Geschichte der USA

Doch wo wir mit dem englischen Adel eher vertraut sind, ist der New Yorker Geldadel eine wenig bekannte Spezies. Wie Enno Reins bei SRF Kultur zu Recht konstatiert, ist das ausgehende 19. Jahrhundert in der Filmgeschichte mehrheitlich den Cowboys gewidmet und kaum der Oberklasse der Städte. Gar völlig unbekannt ist die Geschichte der afroamerikanischen Mittelschicht, in der Serie durch Peggy und ihre Familie verkörpert.

Daraus webt Fellowes ein Netz von Geschichten von überheblichen Snobs, skrupellosen Neureichen, ausgestossenen Witwen und der jungen Generation, die oft eine andere Idee vom Leben hat.

Macht Lust auf eine zweite Staffel

Dazu gehören immer auch die Bediensteten, die im Untergeschoss der noblen Häuser zwischendurch ihre eigenen Intrigen aushecken, aber vor allem das Leben im Obergeschoss kontrastieren.

Wer also förmliche Konversationen, wallende Kostüme, unterkühlte Streitereien und formelles Liebeswerben mag, kommt voll auf seine Kosten. Ich gestehe, dass ich mich auf die zweite Staffel von «The Gilded Age» ungemein freue.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Gilded Age» Staffel 1?

Besetzung: Christine Baranski | Cynthia Nixon | Louisa Jacobson | Carrie Coon | Morgan Spector | Denée Benton | Audra McDonald
Showrunner: Julian Fellowes
Genre: Drama | Historie | Romanze
USA, 2022

The Good Fight (Staffel 5) – Covid, Cancel Culture und der Sturm aufs Kapitol

Läuft bei: Disney+ (5 Staffeln, 51 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffeln 1-3)

Diane Lockhart gerät zunehmend unter Druck: Die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft will sie nicht mehr an der Spitze der Kanzlei. Das strapaziert Dianes Beziehung zu Liz Roddick, der zweiten noch verbliebene Chefin der Kanzlei, nachdem Adrian Boseman die Firma verlassen hat.

Auch mit ihrem Ehemann Kurt durchlebt Diane turbulente Zeiten, weil er mit Leuten in Kontakt stand, die am 6. Januar das Kapitol stürmten. Kurt kommt deshalb ins Visier des FBI.

Auf der juristischen Seite beschäftigt die Kanzlei – neben anderen Fällen – ein selbsternannter Richter. Hal Wackner (Mandy Patinkin – immer wieder schön, ihn zu sehen) hat im Lagerraum eines Copy-Shops das «Amtsgericht 9¾» eröffnet, in dem er frei von rechtlichen Regeln seine Urteile fällt. Diese Anarcho-Justiz findet zum Entsetzen von Diane grossen Anklang bei Rechtssuchenden.

Ich finde

In der fünften Staffel heisst es leider Abschied nehmen von zwei tragenden Figuren: Der bisherige Firmenchef Adrian Boseman wendet sich der Politik zu und die Anwältin Lucca Quinn hat ein lukrativeres Angebot angenommen als Finanzchefin für ihre superreiche Freundin Bianca.

Dafür beginnt mit Carmen Moyo eine neue Anwältin. Sie kommt zwar direkt von der Uni, macht aber einem wichtigen Klienten der Firma so viel Eindruck, dass er sie als seine Hauptanwältin will.

Aktuelle Themen unterhaltsam verpackt

Auch dieser Anarcho-Richter Wackner sorgt für viel Aufruhr mit seiner unkonventionellen Rechtsprechung, die aufzeigt, wie sehr das «richtige» Justizsystem (in den USA) sich von den Ansprüchen der Bevölkerung entfremdet hat.

Mit dem Sturm aufs Kapitol, Cancel Culture, Covid-Krise, Rassendiskriminierung und -bewusstsein finden sich wie gewohnt aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen wieder, die in Rechtsfälle verpackt werden. Immer kritisch, witzig, teilweise auch sarkastisch und deshalb sehr unterhaltsam.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 5?

Besetzung: Christine Baranski | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Audra McDonald | Michael Boatman | Gary Cole | Mandy Patinkin | Charmaine Bingwa | Zach Grenier
Showrunner: Michelle King | Robert King
Genre: Krimi | Drama
USA, 2021