

Play Suisse (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)
Den 60er-Jahren verdanken wir einige modische Errungenschaften – allen voran den Minirock. Auch die Strumpfhose setzte sich damals durch und wurde zur Standardbeinbekleidung. Der futuristische Zeitgeist spiegelte sich in Kleidern und Schuhen aus PVC, Vinyl und anderen Kunststoffen.
Ebenso revolutionär: die elektrisch beheizten Lockenwickler. Sie zauberten in Minuten Locken in die Haare, für die man zuvor Stunden aufwenden musste. Diese Erfindung verdanken wir dem Dänen Arne Bybjerg Pedersen, der 1963 die «Carmen Curlers» auf den Markt brachte.

Die Premiere endet im Fiasko
Die gleichnamige Serie erzählt lose die Geschichte dieses Mannes und seines Produkts und zeichnet ein Porträt der Ära der auftoupierten Frisuren. Hier heisst er Axel Byvang (Morten Hee Andersen), wobei gleich einzuschränken ist, dass er die Lockenwickler nicht erfunden, sondern die Rechte daran einem Tüftler abgekauft hat.
Überzeugt davon, ein sensationelles Produkt in der Hand zu haben, stellt er die Neuheit auf einer Messe vor, an der alles versammelt ist, was in der dänischen Modewelt einen Namen hat. Doch die Präsentation endet im Fiasko. Als Frans (Nicolai Jørgensen), der Friseur aus Axels Dorf, die letzten Wickler bei Axels Frau Tove (Rosalinde Mynster) einsetzt, fangen ihre Haare Feuer.

Von der Bauersfrau zur Betriebsleiterin
Tove hat danach genug. Sie verlässt Axel, nicht wegen der Haare, sondern weil er ihr gesamtes Geld in die Lockenwickler gesteckt hat. Doch Axel gibt nicht auf. Unterstützt wird er von Frans und Birthe (Maria Rossing). Sie ist eigentlich Bäuerin, brauchte aber dringend Geld für die Krebsbehandlung ihres Mannes und bewarb sich bei Axel für eine Stelle.
Als Betriebsleiterin bei «Carmen Curlers» entdeckt sie nicht nur, dass sie viel mehr kann, als den Haushalt zu besorgen und die Hühner zu füttern. Sie findet auch Gefallen an ihrer neuen Rolle als Familienernährerin.

Die 60er als Jahrzehnt der Umbrüche
Birthes Geschichte ist nur eine von vielen, die einen Blick auf die gesellschaftlichen Umbrüche der 60er-Jahre werfen. Eine ganze Episode ist auch Frans gewidmet, der mit einem Fotografen aus Kopenhagen zum ersten Mal seine Homosexualität auslebt. Doch die Angst vor gesellschaftlicher Ächtung bringt ihn schnell dazu, seine Neigungen wieder zu verbergen.
Obwohl «Carmen Curlers» unterhaltsam die Geschichte eines längst vergessenen Modeaccessoires erzählt und die Zeit der 60er aufleben lässt, bleibt die Serie nicht durchgehend überzeugend. Die Handlungsstränge verlaufen nebeneinander, statt sich zu einem grossen Ganzen zu fügen. Die Figuren bleiben oberflächlich, sodass man ihr Schicksal zwar interessiert, aber ohne echte Anteilnahme verfolgt.

Vielleicht gewinnen die zwei weiteren Staffeln, die in Dänemark bereits ausgestrahlt wurden, an Tiefe und Überzeugungskraft. Bei Play Suisse werden sie aber leider nicht angeboten. Etwas unverständlich, dass man nicht das gesamte Paket zeigt.
Besetzung: Morten Hee Andersen | Maria Rossing | Nicolai Jørgensen | Rosalinde Mynster | Lars Ranthe | Fanny Leander Bornedal | Petrine Agger | Sofie Torp
Serie entwickelt von: Mette Heeno
Genre: Drama | Historie
DK, 2022











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