

Netflix (4 Staffeln, 40 Episoden à 50 Min.)
Um die Titelfrage vorab zu beantworten: Nein, natürlich nicht. Das ist kein Spoiler, denn wir wissen von Anfang an, dass Netflix seinen erfolgreichsten Anwalt sicher nicht über die Klinge springen lässt. Der Streamer hat bereits vor dem Start der vierten Staffel die fünfte bestätigt. Dafür braucht er einen quicklebendigen Mickey Haller (Manuel Garcia-Rulfo).

Also geht es in der jüngsten «Lincoln Lawyer»-Geschichte nicht darum, ob Mickey Haller wegen Mordes verurteilt wird, sondern wie er die Geschworenen von seiner Unschuld überzeugt. Das ist nicht einfach, denn alles deutet darauf hin, dass er seinen ehemaligen Klienten Sam Scales (Christopher Thornton) getötet hat.
Der Autor, der Showrunner und der Kinofilm zur Serie
Der Autor
Michael Connelly hat die «Lincoln Lawyer»-Reihe geschrieben, die bislang acht Bände umfasst. Connelly begann seine Karriere als Polizeireporter in Florida, kam sogar einmal in die Endrunde für den Pulitzer-Preis, zog nach Kalifornien und sattelte um auf Krimiautor.
1992 erschien sein erster Roman mit der Hauptfigur Hieronymus «Harry» Bosch. Fast zwei Dutzend weitere folgten. Bosch ist zuerst Cop in der Mordkommission der LAPD Hollywood Division, später quittiert er den Dienst und arbeitet als Privatdetektiv.
Die Bosch-Reihe wurde von Amazon zwischen 2014 und 2021 in eine siebenteilige Serie umgesetzt. Ich bin ein grosser Fan davon. Die Reihe wurde fortgesetzt mit dem Spin-off «Bosch: Legacy», in der Bosch nicht mehr als Cop, sondern als PI unterwegs ist. Alle drei Staffeln sind ebenfalls auf Prime Video zu finden.
Danach ist aber noch nicht Schluss. Amazon Studios hat ein weiteres Spin-off lanciert. Hauptfigur ist Renée Ballard, die die Cold-Case-Unit des LAPD leitet, und bei der Auflösung ihrer Fälle öfters mit Harry Bosch zusammenarbeitet.
Die fiktiven Familienbande
Harry Bosch und Mickey Haller verbindet eine familiäre Beziehung. Sie sind Halbbrüder. Haller ist der Sohn des Anwalts Michael Haller Senior. Bosch ist der viel ältere Sohn aus einer ausserehelichen Affäre.
In den Büchern begegnen sich die beiden in einigen Geschichten. Das wird wohl in der Serienwelt nicht passieren, weil die Figuren unterschiedlichen Studios gehören. Amazon hat die Rechte an Bosch und Netflix an Haller.
Der fleissige Serienerfinder mit Jus-Studium
David E. Kelley ist der Produzent der Serie. Er ist ursprünglich Jurist, begann aber schon Ende der 1980er-Jahre Drehbücher zu schreiben.
Kelley entwickelte eine ganze Reihe von erfolgreichen Anwaltsserien wie etwa «Ally McBeal», «Boston Legal», oder die genialen vier Staffeln von «Goliath». Weniger gelungen ist aus jüngerer Zeit das britische Gerichtsdrama «Anatomy of a Scandal».
Das ist nur eine kleine Auswahl aus Kelleys Produktionen. Er ist ein sehr kreativer und unglaublich produktiver Serienerfinder mit immenser Erfahrung. Fun Fact: Kelley ist mit der Schauspielerin Michelle Pfeiffer verheiratet.
Der Film zur Serie
Mickey Haller war schon einmal auf der Leinwand zu sehen. Matthew McConaughey spielte 2011 den Anwalt im Film «The Lincoln Lawyer». Der Film basiert auf dem ersten Roman aus der Buchreihe.
Mickey Haller gegen «Death Row Dana»
Die Leiche fand man im Kofferraum seines Autos, Patronenhülsen, die zur Tatwaffe passen, in seiner Garage. Auch ein Motiv liegt vor: Sam schuldete Mickey Geld. Für die Staatsanwältin Dana Berg (Constance Zimmer), Spitzname «Death Row Dana», ist der Fall klar: Mickey gehört hinter Gitter.

Aber Mickey weiss, dass ihm jemand den Mord anhängen will. Nur wer? Feinde hat er sich in seiner Karriere genug gemacht. Nicht nur Prozessgegner gehören dazu, sondern auch Polizist:innen, FBI-Agent:innen und Staatsanwält:innen, die er vor Gericht in den Senkel stellte. Nicht ganz zu Unrecht fürchtet Mickey, keinen fairen Prozess zu bekommen.
Gleich zu Beginn entlarvt er die schmutzigen Tricks der Staatsanwaltschaft. Mickey beweist vor Gericht, dass seine vertraulichen Telefongespräche mit seinem Team abgehört wurden.
Wer steckt wirklich hinter der Tat?
Doch das hilft ihm wenig gegen die erdrückenden Indizien. Mickey und sein Team haben nur eine Chance: Sie müssen herausfinden, wer wirklich hinter der Tat steckt.

Das bringt seine Anwältin und Ex-Frau Lorna (Becki Newton), seinen Ermittler Cisco (Angus Sampson) und Izzy (Jazz Raycole), die Dritte im Bunde, an ihre Grenzen. Glücklicherweise stösst Maggie (Neve Campbell) dazu, Mickeys andere Ex-Frau, die eigentlich als Staatsanwältin arbeitet, jetzt aber seine Verteidigung übernimmt.
Der vierte Fall von Lincoln Lawyer ist zwar persönlicher, weil es um Mickeys eigene Haut geht. Das zeigt sich in ein paar tollkühnen und gefährlichen Entscheidungen, die er trifft.

Spannend wie immer, etwas länglicher als auch schon
Im Grossen und Ganzen folgt der Plot aber den bewährten und immer noch gut funktionierenden Mustern: Vor Gericht erlebt Mickey, diesmal mit Maggie an seiner Seite, Erfolge und Rückschläge, während sein Team Spuren verfolgt, die zum wahren Täter führen.
Alles wie immer spannend, wenn auch diesmal etwas länglicher als in der letzten Staffel. Das ändert nichts daran, dass man «The Lincoln Lawyer» ohne grosse Pausen durchschaut. Und wie üblich deutet sich am Schluss an, wie es in der nächsten Staffel weitergehen wird: Mickey lernt ein neues Familienmitglied kennen.
Besetzung: Manuel Garcia-Rulfo | Becki Newton | Angus Sampson | Jazz Raycole | Neve Campbell | Krista Warner | Elliott Gould | Scott Lawrence | Constance Zimmer | Marcus Henderson
Serie entwickelt von: Ted Humphrey | David E. Kelley
Genre: Krimi
USA, 2026














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