

Apple TV (1 Staffel, 10 Episoden à 40 Min.)
Horror-Fans werden ihren Spass an dieser Serie haben. Vielleicht weniger wegen der Handlung, sondern wegen der vielen Referenzen auf Klassiker des Genres. Spass ist aber auch anderweitig garantiert. Denn «Widow’s Bay» mixt Horror mit Komödie.
Der Traum vom Ferienparadies
Das beginnt mit dem eigentümlichen Personal im Verwaltungsgebäude einer kleinen Insel vor der Küste Neuenglands. Hier residiert Bürgermeister Tom Loftis (Matthew Rhys), der die Insel in ein Ferienparadies à la Martha’s Vineyard verwandeln will.

Mehr oder weniger unterstützt wird er dabei von seiner charmant unbeholfenen Assistentin Patricia (Kate O’Flynn), seiner Sekretärin Ruth (K Callan), die weit über das Rentenalter hinaus arbeitet und sehr vergesslich ist, sowie von Rosemary (Dale Dickey), die über alles und jeden lästert, aber sonst wenig beiträgt.
Ein Fluch lastet auf der Insel
Toms Plänen für eine blühende Zukunft seiner Insel steht ein grosses Hindernis im Weg: Die Insel ist verflucht. Das glaubt der Fischer Wyck (Stephen Root), der Tom warnt, dass die Insel erwacht, als sich ein Beben ereignet und Nebel vor der Küste aufzieht.

Tom wischt das beiseite. Ihm ist es endlich gelungen, einen Journalisten der «New York Times» auf die Insel zu holen. Ihm muss er zwar auch zuerst erklären, dass all die Zeitungsausschnitte im Ortsmuseum über Kannibalismus und Hexenverfolgung nur erfundener Unsinn seien, bevor er ihm die Vorzüge seiner Insel zeigen kann.
Nachdem der wohlwollende Artikel erschienen ist, strömen tatsächlich Tourist:innen auf die Insel. Und die Katastrophen (Plural!) nehmen ihren Lauf. Dabei greift «Widow’s Bay» tief in den Fundus des Horrorgenres.
Der tiefe Griff in die Horrorkiste
Wie in «Jaws» muss Tom sich entscheiden, ob er die Inselgäste vor einer tödlichen Gefahr warnt und damit seine Tourismuspläne beerdigt. Wyck erinnert von Beginn an den zynischen Haijäger Quint aus «Jaws» und hat eine ähnliche Geschichte auf Lager wie Quints Begegnung mit den Haien beim Untergang der USS Indianapolis.

Ebenfalls nicht zufällig erinnert Patricia an Shelley Duvall aus «The Shining». Es ist nicht die einzige Referenz an Werke von Stephen King, dessen Bücher als Easter Eggs in gewissen Szenen versteckt sind. Es finden sich auch Anspielungen auf «Carrie», «It» oder die Mini-Serie «Storm of the Century».
Für einmal ein cleverer Twist zum Schluss
Die Liste lässt sich verlängern: Unverkennbar ist der Serienmörder, der eine ähnliche Maske trägt wie Michael Myers in «Halloween». Aber es finden sich auch Elemente aus «The Fog», «The Ring», «The Wicker Man» oder «Scream». Wenn man etwas grosszügiger interpretiert, kann man auch «Twin Peaks» oder «Lost» als Inspirationsquellen ansehen.

«Widow’s Bay» wird damit zu einem bunten Mosaik aus 50 Jahren Horrorfilmgeschichte – vom Slasher über Folk- und Psycho- bis zum Arthouse-Horror. Dabei vergisst die Serie nicht, mit skurrilen Figuren eine eigene Geschichte zu erzählen, die für sich steht und gut unterhält. Lobenswert ist auch der Schluss, der die Handlung abschliesst, aber mit einem cleveren Twist die Tür zu einer nächsten Staffel öffnet.
Besetzung: Matthew Rhys | Kate O’Flynn | Kevin Carroll | Dale Dickey | Kingston Rumi Southwick | Stephen Root | K Callan | Jeff Hiller | Nancy Lenehan | Betty Gilpin | Hamish Linklater
Serie entwickelt von: Katie Dippold
Genre: Komödie | Horror
USA, 2026











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