

Apple TV (1 Staffel, 8 Episoden à 60 Min.)
Die Amerikaner haben das Rennen zum Mond verloren. Das haben wir bereits in «For All Mankind» miterlebt. «Star City» wendet den Blick hinter den Eisernen Vorhang und erzählt die Geschichte der Raumfahrt aus sowjetischer Perspektive.
Es herrscht von Beginn an eine ganz andere Atmosphäre als in «For All Mankind». In einer Juni-Nacht 1969 reissen KGB-Agenten Swetlana Leonowa brutal aus dem Schlaf. Unter Tränen beteuert sie sofort, dass sie und ihr Mann treue Diener des Staates seien.

Eine Welt aus Misstrauen und Geheimnissen
Wortlos schleppen sie die Agenten ab und bringen sie in den Kontrollraum von Star City. Erst dort erfährt sie, dass ihr Mann Alexei gerade auf dem Mond gelandet ist. Sie wird Zeugin, wie er als erster Mensch den Mond betritt.
Misstrauen und Verrat, Bespitzelung und Gewalt prägen das Leben in Star City, wo die sowjetischen Kosmonaut:innen leben und ausgebildet werden. Deshalb erfährt die Welt auch nicht, wer hinter dem Erfolg der sowjetischen Raumfahrt steht.

Der namenlose Weltraumpionier
Den namenlosen Mann (Rhys Ifans), der für die Mondlandung verantwortlich ist, nennen alle nur den Chefkonstrukteur. Er wird zwar dafür als Held der Sowjetunion ausgezeichnet, aber in einem schmucklosen Saal und ohne Publikum. Seine Identität bleibt geheim, damit der Westen ihn nicht ins Visier nehmen kann.
Sergei Koroljow – das reale Vorbild
Das Vorbild für Rhys Ifans’ Chefkonstrukteur war der Ingenieur Sergei Koroljow, der die Anfänge der sowjetischen Raumfahrt prägte. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er Raketen auf Basis deutscher Pläne, die unter Wernher von Braun entstanden waren.
Damit legte er den Grundstein für die grossen Erfolge des sowjetischen Raumfahrtprogramms. 1957 startete Sputnik 1 in die Erdumlaufbahn, der erste künstliche Satellit. Koroljow war auch massgeblich daran beteiligt, als Juri Gagarin 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog. Beide Ereignisse schockierten die westliche Welt und wurden in der Sowjetunion als Zeichen der Überlegenheit des eigenen Systems gefeiert.
Koroljow starb 1966, während er an einer Mondrakete arbeitete. Wie in der Serie blieb seine Identität zu Lebzeiten ein Staatsgeheimnis. Erst bei seiner Beerdigung wurde sein Name bekannt. Sein Tod gilt als Hauptgrund für das Scheitern des sowjetischen Mondprogramms, das 1974 eingestellt wurde.
Die Paranoia ist nicht unbegründet. KGB-Oberst Lyudmilla Raskowa (Anna Maxwell Martin), die für die Sicherheit in Star City verantwortlich ist, hat gerade erfahren, dass die Baupläne für eine Mondbasis in die Hände der Amerikaner gelangt sind.

Dank der totalen Überwachung in Star City wird die Verräterin schnell gefunden: Die Kosmonautin Jana Achmatowa (Niamh Algar) gesteht, nachdem sie brutal gefoltert wurde. Doch Irina Morozova (Agnes O’Casey), die in der Abhörzentrale von Star City arbeitet, findet Beweise für Janas Unschuld.
Die eiskalte Wächterin des Systems
Irina bringt die Beweise zu Oberst Raskowa, die Irina zu Jana ins Gefängnis bringt. Dort unterbreitet Raskowa Jana die frohe Kunde ihrer Unschuld – und erschiesst sie. Denn, so erklärt sie der völlig geschockten Jana: Der sowjetische Staat begeht keine Fehler.

Anna Maxwell Martin als Raskowa ist die beeindruckendste Figur der Serie. Ihre Kälte lässt einem das Blut gefrieren. Selbst ihr Lächeln verheisst nichts Gutes. Raskowa kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, die Wünsche der Partei zu erfüllen, um die Überlegenheit der marxistisch-leninistischen Lebensweise zu beweisen. Achmatowa bleibt nicht ihr einziges Opfer.
Ganz anders der Chefkonstrukteur: Ruhm und Ehre der Sowjetunion interessieren ihn nicht. Er träumt von der Erkundung des Weltraums, die den Horizont der ganzen Menschheit erweitert. Die Mondbasis, deren Bau die Partei fordert, lässt ihn kalt. Heimlich arbeitet er an einer Mission, die Kosmonauten zu einem Planeten schicken soll.
Eine paranoide schöne neue Welt
Der Konflikte, zu dem diese Mission führt, ist einer von vielen Erzählsträngen von «Star City». Die Serie erzählt auch die Geschichte der ersten Frau auf dem Mond, die von der Partei instrumentalisiert wird, und wie ein Kosmonaut zum amerikanischen Spion wird. Oder wie die Loyalität der Abhöragentin Irina immer wieder ins Wanken gerät.

«Star City» ist ein sehr gelungenes Spin-off und muss den Vergleich mit «For All Mankind» nicht scheuen. Die Serie schafft ein eigenes Universum mit bedrückender, paranoider Atmosphäre. Sie wirkt klaustrophobisch und intensiver als die Vorlage.
Dazu passt die visuelle Gestaltung in Grau- und Brauntönen. Allerdings wirkt das klischeehaft – auch in der Sowjetunion war der Himmel blau und die Bäume grün. Doch das bleibt der einzige Kritikpunkt an dieser spannenden Serie.
Besetzung: Rhys Ifans | Anna Maxwell Martin | Agnes O’Casey | Alice Englert | Ruby Ashbourne Serkis | Josef Davis | Solly McLeod | Adam Nagaitis | David Dencik | Priya Kansara | Felix Scott
Serie entwickelt von: Ronald D. Moore | Ben Nedivi | Matt Wolpert
Genre: Science-Fiction | Drama | Abenteuer
USA, 2026











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